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Die Schweiz gehört zu den lohnendsten Ländern Europas, um sie mit dem Rad zu erkunden. Sie hat den Ruf, anspruchsvolle Bergpässe zu bieten, doch die Wirklichkeit ist weitaus vielfältiger und reicht von flachen, familienfreundlichen Wegen entlang der Flüsse bis zu hochalpinen Serpentinen, die selbst erfahrene Radlerinnen und Radler fordern. Ein dichtes, hervorragend ausgeschildertes Netz an Radrouten, eine zuverlässige Infrastruktur und eine sich ständig wandelnde Landschaft machen eine Radreise durch die Schweiz zu etwas Unvergesslichem.
Dich erwarten Gletscherblicke, türkisfarbene Bergseen, von Reben überzogene Täler oberhalb der Rhône und des Rheins sowie kleine historische Städtchen, die ein gemächliches Tempo belohnen. Das Radfahren ist fest im Schweizer Alltag verankert, deshalb kannst du auf sichere Wege, geschützte Abstellplätze, gut ausgestattete Servicestellen und in vielen Regionen auf Ladestationen für E-Bikes zählen.
Dies ist ein Land, das für aktives Reisen wie geschaffen ist. Fast jeder Ort ist auf zwei Rädern erreichbar, und ein außergewöhnliches Bahnnetz erlaubt es dir, eine Etappe abzukürzen, einen Anstieg auszulassen oder die Pläne kurzfristig zu ändern und das Rad einfach mitzunehmen.
Wenn du überlegst, wo du übernachten möchtest, achte auf das Label Swiss Bike Hotels. Diese Zertifizierung wird im Rahmen einer Kampagne von Schweiz Tourismus vergeben, wobei die Spezialisierung vom Hotelverband HotellerieSuisse durchgeführt wird, und sie kennzeichnet Unterkünfte, die die Bedürfnisse von Radgästen wirklich verstehen.
Betriebe mit diesem Label oder der dazugehörigen kostenlosen Spezialisierung "Biking" von HotellerieSuisse bieten in der Regel:
Zertifizierte Bike Hotels sammeln sich rund um beliebte Radregionen und entlang der landschaftlich reizvollen Grand Tour of Switzerland, was die Etappenplanung erleichtert. Über das offizielle Label hinaus heißen zahlreiche Gasthöfe, Berghütten, Jugendherbergen und Campingplätze Radreisende aktiv willkommen, sodass sich in der Nähe der Hauptrouten nur selten schwer ein passender Schlafplatz finden lässt.
Radfahrende in der Schweiz unterliegen denselben allgemeinen Verkehrsregeln wie Autofahrende, festgelegt im eidgenössischen Straßenverkehrsgesetz. Die folgenden Punkte fassen zusammen, was für reisende Radlerinnen und Radler am wichtigsten ist.
| Regel / Vorschrift | Schweiz |
|---|---|
| Fahrradhelm | Auf gewöhnlichen Rädern nicht vorgeschrieben (dringend empfohlen); verpflichtend nur auf schnellen 45-km/h-E-Bikes (S-Pedelecs) |
| Fahren auf dem Gehweg | Für Erwachsene verboten, sofern nicht ausgeschildert; seit 2021 dürfen Kinder bis 12 Jahre den Gehweg nutzen, wo es keinen Radweg oder Radstreifen gibt |
| Radwege | Wo ein markierter Radweg oder Radstreifen vorhanden ist, müssen Radfahrende diesen statt der Fahrbahn benutzen |
| Kinder auf dem Rad | Kinder dürfen ab 6 Jahren allein auf Hauptstraßen fahren; jüngere Kinder müssen von einer mindestens 16-jährigen Person begleitet werden |
| Beleuchtung und Ausrüstung | Funktionierende Bremsen, ein weißes Vorder- und ein rotes Rücklicht (bei schlechter Sicht eingeschaltet) sowie weiße vordere und rote hintere Rückstrahler; eine Klingel wird empfohlen, ist aber nicht mehr Pflicht |
| Alkoholgrenze | 0,5 ‰; ab 0,8 ‰ gilt eine Person als qualifiziert fahrunfähig |
| Kopfhörer | Das Tragen von Kopfhörern während der Fahrt ist nicht erlaubt |
| Vorbeifahren an stehendem Verkehr | Rechts erlaubt, wo genügend Platz ist, jedoch niemals neben Fahrzeugen, die nach rechts abbiegen |
Das Wichtigste in Kürze: Die Schweizer Regeln sind praxisnah und radfreundlich, mit klaren Vorgaben rund um Beleuchtung, Nüchternheit und die Frage, wo du fahren darfst. Die separate Fahrrad-Vignette und die damit verbundene Pflichtversicherung wurden 2012 abgeschafft, eine Haftpflichtdeckung für Schäden gegenüber Dritten ist jedoch meist in der privaten Haftpflichtversicherung enthalten, was sich vor der Reise zu prüfen lohnt.
Ein Hinweis für E-Bike-Fahrende: Langsame E-Bikes mit Unterstützung bis 25 km/h brauchen ab 16 Jahren weder Kennzeichen noch Ausweis, während schnelle E-Bikes mit Unterstützung bis 45 km/h einen Führerausweis, ein Kennzeichen, eine Versicherung und einen Helm erfordern. Neue E-Bikes müssen zudem einen Tachometer haben.
Die Bahn ist die bequemste Anreise. Direkte internationale Verbindungen erreichen Zürich, Genf, Basel, Bern und weitere Knotenpunkte aus ganz Europa. Innerhalb des Landes nehmen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), private Bahnen und PostAutos auf einem großen Teil der Verbindungen Fahrräder mit, sofern du ein gültiges Veloticket besitzt, etwa ein Streckenticket, eine Velo-Tageskarte oder ein Jahres-Veloabo.
Am meisten Beachtung verdient die Platzkapazität für Velos. Von Ende März bis Ende Oktober brauchst du auf InterCity-Zügen eine Reservierung für den Veloplatz, einzelne Linien verlangen sie ganzjährig, und internationale EuroCity-, ICE- und Railjet-Verbindungen benötigen eine Reservierung für den Schweizer Abschnitt. Die Selbstverladeplätze können an sonnigen Wochenenden und an Feiertagen knapp werden, also buche frühzeitig. Ein in einer Tragetasche verpacktes Faltrad reist kostenlos als Handgepäck, und die SBB kann dein Rad auch von Bahnhof zu Bahnhof als aufgegebenes Gepäck befördern.
Die Anreise mit dem Auto samt Dach- oder Heckträger ist eine unkomplizierte Alternative, denn die Schweiz liegt im Herzen des alpinen Straßennetzes und ist von den Nachbarländern aus leicht zu erreichen.
Die Mietinfrastruktur der Schweiz ist hervorragend, weshalb eine Anreise ohne eigenes Rad eine realistische Option ist. Rent a Bike hält Tausende von Rädern und E-Bikes an weit über hundert Standorten bereit, viele davon an oder neben Bahnhöfen, und ermöglicht eine Einwegmiete, sodass du das Rad an einer anderen Station zurückgeben kannst als dort, wo du es abgeholt hast. Zubehör wie Kindersitze, Helme und Anhänger ist ebenfalls erhältlich.
Für kürzere, spontane Ausflüge deckt das Bike-Sharing-Netz PubliBike zahlreiche Städte ab und lässt sich per App oder mit dem SwissPass entsperren, wobei die Räder an jeder Station zurückgegeben werden. Nextbike bedient Luzern und die Zentralschweiz, während Carvelo elektrische Cargobikes in mehreren Städten anbietet. Die Kombination eines Bahntickets mit einer Miete über RailAway kann den Mietpreis zusätzlich senken.
Pro Velo Schweiz ist der nationale Radfahrverband, der sich für eine bessere Infrastruktur einsetzt und das alltägliche wie das touristische Radfahren im ganzen Land fördert. Auf der touristischen Seite pflegt SchweizMobil (Veloland) das ausgeschilderte nationale, regionale und lokale Routennetz und veröffentlicht detaillierte Karten, Höhenprofile, Etappenbeschreibungen und eine eigene App. Der Touring Club Schweiz (TCS), der große Mobilitätsclub des Landes, ergänzt das Angebot mit Routeninformationen und einem Netz von Campingplätzen, die sich gut für Radreisende eignen. Zusammen decken diese Angebote nahezu alles ab, was du brauchst, um eine Schweizer Tour zuversichtlich zu planen.
Die Schweiz zählt zu den teureren Reisezielen Europas, daher lohnt es sich, großzügig zu kalkulieren. Die folgenden Richtwerte bieten einen realistischen Ausgangspunkt für eine Woche auf dem Rad:
Seilbahnen und Bergbahnen verdienen besondere Beachtung. Sie sind nicht billig, doch sie lassen dich einen langen Anstieg gegen die Abfahrt und die Aussicht eintauschen, was auf einer mehrtägigen Tour gut angelegtes Geld sein kann.
Das ausgeschilderte Veloland-Netz bildet ein dichtes landesweites System aus mehreren tausend Kilometern und gliedert sich in drei klare Stufen: neun nationale Routen mit einstelligen Nummern, regionale Routen mit zweistelligen Nummern und lokale Routen mit dreistelligen Nummern. Alle sind mit den charakteristischen roten Schildern markiert und werden durch Karten, Profile und Etappennotizen auf SchweizMobil unterstützt.
Die neun nationalen Routen bilden das natürliche Rückgrat für einen Radurlaub:
Die Flussrouten, also Rhein, Rhone und Aare, sind die sanftesten Optionen und eignen sich für Familien und Tourenneulinge, da sie dem Wasser folgend in der Regel an Höhe verlieren. Die alpinen und panoramischen Routen sind ein anderes Kaliber, mit anspruchsvollen Anstiegen, die durch spektakuläres Hochgebirge belohnt werden. Für ein entspannteres Tempo schlängelt sich die Herzroute durch das Alpenvorland und ist eigens für E-Bikes konzipiert. Mehrere nationale Routen schließen zudem direkt an das EuroVelo-Netz an, sodass sich eine Schweizer Tour mühelos in die Nachbarländer verlängern lässt.
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