Deutschland mit dem Rad entdecken: Das D-Route-Netz

Kacper Goliński Kacper Goliński · · Aktualisiert:

14 Radfernwege, die Deutschland von Nord nach Süd und von Ost nach West durchqueren. Von den Ostseestränden bis zur Donau, vom Rhein bis zum ehemaligen Eisernen Vorhang – dein Guide zu allen Routen des D-Netzes.

Elberadweg, Dresden. Foto: DZT/Felix Meyer.
Elberadweg, Dresden. Foto: DZT/Felix Meyer.

Die D-Routen sind das deutsche Netz der Fernradwege — 14 Strecken mit einer Gesamtlänge von rund 12.000 km, die Deutschland von Norden nach Süden und von Osten nach Westen durchqueren. Sie bilden das Rückgrat des deutschen Radtourismus: einheitliche Beschilderung, gute Beläge, eine Anbindung an das Bahnnetz und auf Radfahrende eingestellte Übernachtungsmöglichkeiten. Jede der Routen führt durch eine andere Region und hat ihren eigenen Charakter — im Folgenden stellen wir sie nacheinander vor, damit du die richtige für deine Tour findest.

Altstadt in Hameln. Weserradweg + Romantische Straße (D9). Foto: DZT/Jens Wegener.
Altstadt in Hameln. Weserradweg + Romantische Straße (D9). Foto: DZT/Jens Wegener.

Was sind die D-Routen?

Die D-Routen (von Deutschland) sind ein Netz aus 13 nummerierten Fernradwegen plus dem Radweg Deutsche Einheit — zusammen also 14 Strecken, die das Radnetz Deutschland bilden. Die Routen D1–D6 verlaufen von West nach Ost, D7–D13 von Nord nach Süd. Jede ist sorgfältig geplant, einheitlich mit dem D-Routen-Logo beschildert und in das europäische EuroVelo-Netz eingebunden — das heißt, fast jede lässt sich über die deutschen Grenzen hinaus weiterfahren.

Das Projekt zum Aufbau des Radnetzes Deutschland war Teil des Nationalen Radverkehrsplans und wurde über zehn Jahre — von 2002 bis 2012 — umgesetzt. Es wird in den folgenden Ausgaben des Plans (NRVP 2020, NRVP 3.0) fortgeführt.

Seit der Fertigstellung ist das Netz zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für viele deutsche Regionen geworden. Studien zeigen, dass Radreisende auf den D-Routen im Schnitt mehr ausgeben als „normale" Touristen, weil sie lokale Restaurants, Unterkünfte und Sehenswürdigkeiten nutzen. Da die Strecken oft durch kleinere Orte führen, verteilen sich die wirtschaftlichen Vorteile gleichmäßiger als beim auf große Zentren konzentrierten Tourismus.

Was dich unterwegs erwartet

Die meisten D-Routen sind flach oder leicht hügelig — Ausnahme ist die D4 (Mittellandroute), die durch die deutschen Mittelgebirge führt und etwas Kondition verlangt. Die Beläge sind überwiegend Asphalt und separate Radwege; viele Abschnitte verlaufen auf stillgelegten Bahntrassen oder ruhigen Nebenstraßen mit minimalem Autoverkehr. Die Beschilderung ist im gesamten Netz einheitlich — unterwegs reicht es, den D-Routen-Schildern zu folgen, die Karte tritt in den Hintergrund.

Wichtig bei der Planung: Entlang der D-Routen liegen viele Bahnhöfe. Damit lässt sich eine Etappe abkürzen, wenn das Wetter nicht mitspielt, oder schneller an den Ort kommen, an dem du starten (oder enden) möchtest. Die Übernachtungs-Infrastruktur — von Campingplätzen und Bauernhöfen über Hotels bis zu Pensionen — ist entlang aller beliebten Strecken gut ausgebaut, sodass eine Planung mit langem Vorlauf nicht immer nötig ist.

Auf dem Elberadweg durch die Sächsische Schweiz. Foto: DZT/Felix Meyer.
Auf dem Elberadweg durch die Sächsische Schweiz. Foto: DZT/Felix Meyer.

Nordseeküstenroute (D1)

poln. Szlak Rowerowy Morza Północnego, engl. North Sea Coast Route

Entlang der deutschen Nordseeküste, von der dänischen Grenze über Schleswig-Holstein und Niedersachsen bis zur niederländischen Grenze. Praktisch ohne Anstiege, gut beschildert und einfach in Etappen unterschiedlicher Länge zu unterteilen. Landschaftlich: weite Strände, Dünen, der Nationalpark Wattenmeer und Küstenorte wie Sankt Peter-Ording oder Cuxhaven. Teil von EuroVelo 12 — der Rundroute um die Nordsee.

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Ostseeküstenroute (D2)

poln. Szlak Wybrzeża Morza Bałtyckiego, engl. Baltic Sea Coast Route

Eine der entspanntesten Routen im deutschen Netz — lange Strände, geringe Höhenunterschiede und ein Rhythmus, den die aufeinanderfolgenden Küstenorte vorgeben. Unterwegs liegen Seebäder (Kühlungsborn, Heiligendamm, Warnemünde), Hansestädte (Lübeck, Wismar, Stralsund, Greifswald), die Insel Rügen und die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Teil von EuroVelo 10, der Rundroute um die Ostsee.

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Europaroute (D3)

poln. Szlak Europejski, engl. Europe Route

Die Radachse von West nach Ost, von der niederländischen bis zur polnischen Grenze. Unterwegs: Münsterland, Harz, Magdeburg, Dessau-Roßlau, Potsdam, Berlin, Märkische Schweiz und Oderbruch. Landschaftlich abwechslungsreich — von der norddeutschen Tiefebene über Mittelgebirge bis zu den Seenplatten, mit UNESCO-Welterbestätten und Biosphärenreservaten. Teil von EuroVelo 2 (Capitals Route), die Galway mit Moskau verbindet.

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Mittellandroute (D4)

poln. Szlak Środkowoniemiecki, engl. Central States Route

Die anspruchsvollste Strecke im gesamten Netz. Sie verbindet Aachen mit Zittau und führt durch fünf Bundesländer und die Mittelgebirgsregionen Mitteldeutschlands. Sie verlangt eine gewisse körperliche Form — viele Anstiege, viele bewaldete Abschnitte, weniger Gelegenheiten für „flaches Fahren mit Aussicht". Im Gegenzug: historische Städte, Burgen, regionale Küche und weniger frequentierte Strecken als auf den beliebten Flussradwegen.

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Saar-Mosel-Main-Route (D5)

poln. Szlak Saar-Mosel-Main, engl. The Saar-Mosel-Main Route

Über 1000 km entlang der Flüsse Saar, Mosel, Rhein und Main — mit minimalen Höhenunterschieden. Sie führt von der deutsch-französischen Grenze bis zur tschechischen Grenze durch das Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern. Vorbei an den Weinbergen der Mosel und den fränkischen Brauereien — daher der Beiname „Genießerroute". Eine gute Wahl, wenn du komfortables Radfahren mit Wein, Bier und regionaler Küche verbinden möchtest.

Donauroute (D6)

poln. Dunajska Droga Rowerowa, engl. Danube Route

Entlang der Donau durch Süddeutschland, von der Gegend um Basel an der Schweizer Grenze bis zur österreichischen Grenze. Überwiegend flach und gut gepflegt — eine der am häufigsten empfohlenen Strecken für Familien und alle, die ihre ersten Schritte im Radtourismus machen. Sie führt durch Passau, Regensburg und weitere historische Städte am Fluss. Teil von EuroVelo 6 — die Gesamtroute lässt sich bis zum Schwarzen Meer weiterfahren.

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Pilgerroute (D7)

poln. Szlak Pielgrzymów, engl. Pilgrim's Route

Der deutsche Abschnitt der europäischen Pilgerroute, Teil von EuroVelo 3 (von Trondheim nach Santiago de Compostela). Sie führt durch Hamburg, Bremen und weiter entlang des Rheins in Richtung Aachen und belgische Grenze. Praktisch flach, mit kleinen Ausnahmen in Schleswig-Holstein und vor Aachen. In Nordrhein-Westfalen ist sie bis Aachen mit dem D-Routen-Logo beschildert.

Rheinradweg (D8)

poln. Szlak rowerowy Renu, engl. Rhine Route

1230 km entlang des Rheins — vom Bodensee durch Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bis zur niederländischen Grenze. Asphalt, gute Beschilderung und größtenteils abseits des Autoverkehrs geführt. Die Route durchquert das UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal mit Burgen, Weinbergen und der Loreley. Teil von EuroVelo 15 — die gesamte Rheinroute ist über 1500 km lang.

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Weser – Romantische Straße (D9)

poln. Szlak Weser - Romantyczny, engl. Weser – Romantic Road Route

Die D9 verbindet zwei bekannte deutsche Fernradwege zu einer zusammenhängenden Reise von Süd nach Nord. Der erste Teil führt über die Romantische Straße, die von der österreichischen Grenze durch Bayern bis Würzburg verläuft. Es ist das Rad-Pendant zur berühmten Autoroute aus den 1950er Jahren, die so angelegt wurde, dass sie durch Städtchen, Burgen und Landschaften führt, die das touristische Bild Deutschlands neu definieren sollten. Fachwerkhäuser, historische Kirchen, Weinberge und Bierkeller — vom Sattel aus schmeckt das alles besser als hinter dem Steuer.

Der zweite Teil der Route ist der Weserradweg — einer der am höchsten geschätzten Fernradwege Deutschlands — auf den die Strecke in Hann. Münden trifft, nach den vorherigen Abschnitten entlang von Main und Fulda. Der Oberlauf der Weser behält den touristischen Charakter der Romantischen Straße bei, und nach der Porta Westfalica öffnet sich die Landschaft zur Norddeutschen Tiefebene mit Seen, Windmühlen und Agrarflächen. Den Höhepunkt der Reise bildet die Hansestadt Bremen, das Ganze endet im Küstenort Bremerhaven. Die Verbindung dieser beiden Strecken zeigt das „echte Deutschland" wie kaum eine andere Route im D-Routen-Netz und gehört regelmäßig zu den beliebtesten Radstrecken des Landes.

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Elberadweg (D10)

poln. Szlak rowerowy Łaby, engl. River Elbe Route

Eine der beliebtesten Fernstrecken Deutschlands — entlang der Elbe von Hamburg nach Dresden. Praktisch flach, mit Ausnahme kurzer Anstiege in Sachsen. Sie verbindet große Städte (Hamburg, Magdeburg, Dresden) mit kleineren (Stade, Lauenburg, Meißen) und Naturschutzgebieten entlang des Elbtals. Am Anfang der Route der Nationalpark Wattenmeer, unterwegs dicht bewaldete Reservate, am Ende die Elbmündung.

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Ostsee–Oberbayern (D11)

poln. Szlak od Morza Bałtyckiego do Górnej Bawarii, engl. Baltic Sea to Upper Bavaria Route

Von Nord nach Süd durch Deutschland — von der Ostsee bis zum Alpenvorland in Bayern. Sie passiert die Mecklenburgische Tiefebene, Brandenburg, den Thüringer Wald, Oberfranken sowie das hügelige Nieder- und Oberbayern. Unterwegs: Berlin, Nürnberg, München sowie mittelgroße Städte wie Rostock, Potsdam, Halle, Jena und Bamberg. Die Route nutzt bestehende Netze — den Berlin-Kopenhagen-Radweg bis Berlin, weiter die D-Route 3 bis Bernburg, dann den Saaleradweg durch Thüringen und bayerische Regionalrouten.

Oder-Neiße-Radweg (D12)

poln. Szlak Odra-Nysa, engl. Rivers Oder & Neisse Route

640 km entlang der deutsch-polnischen Grenze, vom Isergebirge bis zur Ostsee (Ahlbeck auf der Insel Usedom). Asphalt, Beschilderung, separate Radwege — typische deutsche Infrastruktur. Wenig befahren, viel Wildnis — eine sinnvolle Wahl, wenn du Ruhe suchst. Unterwegs Panoramen des Isergebirges, National- und Landschaftsparks, Städte wie Görlitz und Frankfurt (Oder) sowie der UNESCO-Welterbe-Park Muskauer Park.

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Iron-Curtain-Trail (D13)

poln. Szlak Żelaznej Kurtyny, engl. Iron Curtain Trail

Die neueste und längste Strecke im deutschen Netz — der deutsche Abschnitt umfasst über 1800 km und verläuft entlang der ehemaligen Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR sowie der Tschechoslowakei. Die D13 wurde im Sommer 2025 offiziell in das D-Routen-Netz aufgenommen, als Adaptation der europäischen Route EuroVelo 13 (Iron Curtain Trail), die sich von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer erstreckt und symbolisch die Staaten beiderseits des einstigen Eisernen Vorhangs verbindet.

Anders als die meisten D-Routen verläuft die D13 nicht entlang eines Flusses oder einer Küste, sondern auf den Spuren der historischen Grenze — sie durchquert Deutschland von Nord nach Süd und folgt dabei einem Naturstreifen (dem sogenannten Grünen Band), der durch jahrzehntelange Isolation in einem nahezu ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist und heute zu den längsten ökologischen Korridoren Europas zählt. Die Route verbindet Gedenkstätten, ehemalige Wachtürme, Mahnmale und Museen mit Abschnitten durch Wälder, Wiesen und Schutzgebiete, die man sonst nicht zu Gesicht bekäme.

Der Charakter der Strecke wandelt sich mit der Geografie: von flachen Abschnitten im Norden (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) über die Mittelgebirgspartien Mitteldeutschlands bis zum hügeligen deutsch-tschechischen Grenzland. Eine Route für Radreisende, denen der Grund der Reise mindestens ebenso wichtig ist wie die Strecke selbst — die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist hier in jedem Kilometer präsent.

Die D13 verbindet sich im Norden mit D1 und D2 sowie im Süden mit D6, sodass sie sich sinnvoll mit anderen Strecken zu längeren Touren kombinieren lässt. Der deutsche Abschnitt teilt sich in Teilstrecken, die bestehende Regionalrouten nutzen (u. a. den Oder-Neiße-Radweg auf einem Teil der Ostgrenze), weshalb Beschilderung und Belagsqualität unterschiedlich ausfallen — es lohnt sich, den konkreten Abschnitt, den du fahren möchtest, vorab zu prüfen.

Radweg Deutsche Einheit

Das Radnetz Deutschland ergänzt eine weitere Strecke, die formell keine D-Nummer trägt — der Radweg Deutsche Einheit. Er ist rund 1100 km lang und verbindet Bonn mit Berlin durch sieben Bundesländer. Er entstand 2015 anlässlich des 25. Jahrestags der deutschen Wiedervereinigung und wurde 2016 ausgeschildert. Entlang der Strecke liegen rund 100 Orte, die mit der Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands verbunden sind, sowie ein Netz sogenannter Radstätten — moderner Servicestationen mit Zugang zu digitalen Informationen, WLAN und Ladestationen für E-Bikes. Das Radstätten-Netz wird weiter ausgebaut, und auch einzelne Abschnitte der Route selbst werden noch fertiggestellt.

So planst du deine D-Routen-Tour

Die Saison läuft auf den meisten Strecken von April bis Oktober, mit Höhepunkt im Juli und August. Juni und September sind oft der beste Kompromiss: die Tage sind lang, das Wetter meist stabil und Übernachtungen lassen sich leichter finden als in der Hochsaison. Die Küstenrouten (D1, D2) und Flussrouten (D6, D8, D10) eignen sich auch für das zeitige Frühjahr und den späten Herbst — die geringen Höhenunterschiede machen sie unempfindlich gegenüber Wetterschwankungen.

Die meisten D-Routen lassen sich sinnvoll in Wochen- oder Zweiwochenetappen aufteilen — oder zwei Strecken zu einer längeren Reise verbinden (z. B. D6 + D8 oder D2 + D11). Die Anbindung an EuroVelo eröffnet zusätzliche Möglichkeiten: eine Fortsetzung in Tschechien, den Niederlanden, Österreich oder Polen. Bei der Planung lohnt es sich, die Verteilung der Bahnhöfe zu prüfen — so kannst du die Strecke unterwegs flexibel anpassen und hast einen Plan B für schlechtes Wetter.

Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT).

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