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Die Nord-Süd-Route ist die nationale Radroute 3 der Schweiz. Sie führt von Basel am Rhein bis nach Chiasso an der italienischen Grenze und überquert am Gotthardpass den Alpenhauptkamm. Unterwegs kommst du durch Liestal, Aarau, Luzern, Andermatt und Bellinzona und fährst am Luganersee entlang. Sie gehört zu den neun nationalen Routen von Veloland Schweiz (SchweizMobil) und bildet den Schweizer Abschnitt des EuroVelo 5, der Via Romea Francigena.
Die Route durchquert nacheinander alle großen Landschaften der Schweiz: die Jurahügel rund um Basel, das Ackerland des Mittellands, die Seen der Zentralschweiz, die Hochalpen und schließlich das Tessin. Südlich des Gotthards weicht kahler Granit zuerst Kastanienwäldern und dann Weinbergen, und auf den Schildern steht Italienisch statt Deutsch. Die Route folgt einem der verkehrsreichsten Transitkorridore Europas, und das hat seinen Preis. Ruhige Uferwege und Feldwege wechseln sich mit Abschnitten auf der Hauptstraße ab, die du dir mit Lkw und Passverkehr teilst. Die Gotthardüberquerung ist ein ernsthafter Alpenanstieg.
Wie alle nationalen Radrouten der Schweiz ist die Nord-Süd-Route mit roten Wegweisern mit der Routennummer 3 markiert. Auf weiten Strecken ist das blaue EuroVelo-5-Schild in dieselben Wegweiser integriert. Auf stärker befahrenen Straßen sind die Radstreifen gelb markiert, und rot eingefärbte Flächen leiten Radfahrende an Gefahrenstellen wie Steinbruchzufahrten und Tankstellen vorbei.
Ein paar Stellen sind knifflig. Die ausgeschilderte Route umfährt das Zentrum von Bellinzona, für die UNESCO-Burgen musst du also einen Abstecher machen. In der Schöllenenschlucht zwischen Göschenen und Andermatt ist der Radweg nur bergauf freigegeben, bergab wirst du auf die Hauptstraße geleitet. In Gersau legt die Autofähre nach Beckenried an einem anderen Steg ab als die Ausflugsschiffe. Der GPX-Track ist direkt in VeloPlanner verfügbar. Auf der Website und in der App von SchweizMobil findest du die offiziellen Etappenbeschreibungen und eine Karte, die den Belag entlang der Route zeigt.
SchweizMobil beschreibt die Route von Norden nach Süden, doch in Gegenrichtung ist die Gotthardüberquerung angenehmer. Nordwärts fährst du die gepflasterte Tremola auf einer fast autofreien Straße hinauf und rollst auf der Nordseite über glatten Asphalt hinunter. In der anderen Richtung musst du mit beladenem Rad über das holprige Pflaster abfahren und eine schmale Passstraße ohne Seitenstreifen und mit viel Verkehr hinaufklettern. Auch der gleichmäßige Anstieg durchs Tessin fährt sich besser als das Reusstal. Nordwärts hast du außerdem die Sonne im Rücken: Sie beleuchtet die Berge vor dir, statt dich zu blenden.
Die Richtung Nord–Süd hat einen Vorteil. Der separate Radweg durch die Schöllenenschlucht ist nur bergauf freigegeben, deshalb bekommen Südwärtsfahrende die verkehrsfreie Linie an der Teufelsbrücke vorbei. Wer nordwärts fährt, rollt dort auf der Hauptstraße hinunter.
Gotthardpass und Tremola sind im Winter gesperrt, plane die Überquerung also für die Zeit, in der der Pass offen ist. Der Vierwaldstättersee ist oft ruhig, wird bei Föhn aber stürmisch.
SchweizMobil teilt die Route in acht offizielle Etappen ein. Viele fassen sie zu weniger, dafür längeren Tagen zusammen.
Basel – Aarau. Vom Basler Münster folgt die Route dem Rhein und der Birs am St. Jakob-Park vorbei und führt dann durch Pratteln und Liestal ins Ergolztal. Sie überquert den Baselbieter Jura über den Schafmattpass, fällt nach Stüsslingen ab und folgt der Aare nach Aarau.
Aarau – Luzern. Diese Etappe führt durch das flache Suhrental, vorbei an Obstgärten und Gemüsefeldern, nach Sursee und am Sempachersee entlang. Sie passiert Sempach und Rothenburg und folgt dann der Reuss bis ins Zentrum von Luzern.
Luzern – Flüelen. Eine Uferetappe am Vierwaldstättersee, inklusive Fährüberfahrt von Beckenried nach Gersau. Ab Brunnen geht es auf der Axenstrasse am Urnersee weiter.
Flüelen – Andermatt. Der Anstieg durchs Reusstal führt an Altdorf, Erstfeld, Amsteg und Wassen vorbei und weiter durch die Schöllenenschlucht an der Teufelsbrücke vorbei.
Andermatt – Airolo. Die Gotthardüberquerung. Die Route verlässt Andermatt über Hospental und folgt der Passstraße hinauf bis zur Kantonsgrenze. Von dort führt die gepflasterte Tremola in 39 Kehren hinunter nach Airolo.
Airolo – Bellinzona. Diese Etappe führt durch die Leventina über Ambrì, Faido, Giornico und Biasca hinunter nach Bellinzona, teils auf Hauptstraßen.
Bellinzona – Agno. Die Route durchquert die Magadinoebene, steigt neben starkem Verkehr zum Monte Ceneri an und folgt dann dem Vedeggio zum Luganersee.
Agno – Chiasso. Ab Agno folgt die Route dem Luganersee über Morcote, Melide und Bissone nach Capolago. Danach führt sie durch Mendrisio und die Weinberge des Mendrisiotto bis zur Grenze in Chiasso.
Viele Sehenswürdigkeiten der Route hängen mit der Transitgeschichte des Gotthards zusammen, von mittelalterlichen Passdörfern bis zu den Eisenbahntunneln. Einige liegen nicht direkt an der ausgeschilderten Strecke, sondern sind kurze Abstecher.
Die Route verbindet eine Reihe von Städten und Ferienorten, und SchweizMobil listet Unterkünfte entlang der Strecke. Wer mit leichtem Gepäck reisen will, kann die ganze Route als Paket mit Gepäcktransport buchen.
Basel SBB ist das nördliche Eingangstor, mit direkten Fernzügen aus Deutschland, darunter ICE-Verbindungen aus Berlin. Unter dem Bahnhof gibt es ein großes Fahrradparkhaus. Wenn du im Süden starten willst, nimm einen InterCity von Basel nach Lugano durch den Gotthard-Basistunnel. Diese Züge haben eigene Fahrradbereiche. Vom Bahnhof Lugano führt eine schmale Uferstraße mit Autos, Motorrädern und Bussen nach Melide, wo die ausgeschilderte Route beginnt.
Beide Enden der Route liegen an der Nord-Süd-Bahnachse durch den Gotthard, die Rückfahrt mit dem Zug funktioniert also von beiden Seiten. Fahrpläne und Reservierungen für dein Rad findest du in der SBB-App.
Mit dem Schweizer ÖV kannst du die schwierigsten Abschnitte überbrücken, bei SchweizMobil heißt das Veloverlad. Mit den vorgeschlagenen Transfers entfällt in beiden Richtungen der Großteil der Anstiege. Zu den Optionen gehören:
Die größte Herausforderung dieser Route ist eher der Verkehr als die Distanz. Auf mehreren Abschnitten teilst du dir die Straße mit dichtem Transitverkehr, und zwar genau dort, wo Tal oder Pass keinen Platz für einen separaten Weg lassen.
Die Tremola ist bergab schwieriger als bergauf. Mit beladenem Rad ist das grobe Pflaster bergab langsam und rüttelig. Wer nach Süden fährt, sollte deshalb mehr Zeit einplanen und die Bremsen prüfen. Das PostAuto ist eine echte Alternative für alle, die die Landschaft ohne den Anstieg erleben wollen.
Prüfe vor der Abfahrt den Status der Axenstrasse. Wegen Bauarbeiten ist der Abschnitt zwischen Brunnen und Sisikon für Radfahrende gesperrt worden, als Ersatz verkehrte ein Fahrrad-Shuttle. SchweizMobil veröffentlicht aktuelle Routenhinweise.
Am Luganersee ist ein Großteil des Ufers in Privatbesitz. Öffentliche Badestellen findest du am ehesten neben Bushaltestellen.
Entscheide früh, wie du den Gotthard angehst. Du kannst die Tremola nordwärts hinauffahren, das PostAuto nehmen oder nach Süden fahren und den Radweg durch die Schöllenen nutzen. Diese Wahl bestimmt deine Richtung, deine Anreise zum Start und die Zahl der Tage, die du brauchst. Plane am Passtag zusätzliche Zeit für Fotostopps und das Museum auf der Passhöhe ein. Für einen Ruhetag eignet sich Luzern, weil es ungefähr am Übergang vom Flachland zu den Alpen liegt.
Die offiziellen Etappen sind ein Ausgangspunkt, keine Vorschrift. Öffne die Route im VeloPlanner-Planer und teile sie in Tagesetappen ein, die zu deinem Tempo passen. Du kannst auch den Abstecher zu den Burgen von Bellinzona einbauen oder einen verkehrsreichen Abschnitt mit dem Zug überspringen.
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