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Die EuroVelo 7, die Sonnenroute, führt dich einmal quer durch Europa, vom Nordkap in Norwegen bis zum Mittelmeerarchipel Malta. Unterwegs durchquert sie neun Länder: Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland, Tschechien, Österreich, Italien und Malta. Kaum eine Radreise spannt einen so dramatischen Bogen: Sie beginnt im Land der Mitternachtssonne und endet mit Inselhüpfen unter südlichem Himmel.
Die Route reiht einige der großen Radreiseziele des Kontinents aneinander: die fahrradfreundlichen Städte Malmö, Kopenhagen und Berlin, das Alpentor Bozen und schließlich die gesamte italienische Halbinsel bis hinunter nach Sizilien. Kultur, Sonne, Berge und eine ordentliche Portion Geschichte prägen diese Reise, egal ob du nur einen Länderabschnitt fährst oder das ganze große Vorhaben angehst.
Die EuroVelo 7 stützt sich auf eine Kette gut etablierter nationaler Radwege, die Navigation ist deshalb überall dort unkompliziert, wo diese ausgeschildert sind. In Dänemark ist die Route als nationale Route Nummer 9 markiert, in Deutschland folgt sie dem Radfernweg Berlin–Kopenhagen (D-Route 11) und später dem Elberadweg (D-Route 10). In Österreich nutzt sie eine Abfolge nummerierter regionaler Radwege wie Mühlviertel- (R5), Gusental- (R28), Donau- (R1), Tauern- und Drauradweg.
Ein Abschnitt verdient besondere Aufmerksamkeit: In Oberösterreich fehlt derzeit eine EuroVelo-konforme Beschilderung, behalte dort also die regionalen Routennummern im Blick. Für den norwegischen Abschnitt stehen vollständige GPS-Tracks zum Download bereit, eine sinnvolle Absicherung für die abgelegenen Etappen im Norden und nützliches Planungsmaterial für die gesamte Reise.
Der Klassiker ist die Fahrt von Nord nach Süd: Du startest am Nordkap und lässt das Klima wärmer werden, je näher du dem Mittelmeer kommst. Das Timing zählt vor allem ganz am Anfang: Wer die Mitternachtssonne vom Nordkap-Plateau erleben will, muss im richtigen Sommerfenster dort sein.
Die Sonnenroute gliedert sich ganz natürlich in Länderkapitel, jedes mit eigenem Charakter.
Norwegen: das Land der Mitternachtssonne. Die Reise beginnt am Nordkap auf der Insel Magerøya, wo eine 307 Meter hohe Klippe mit flachem Plateau über die Barentssee blickt. Von dort führt der lange Weg nach Süden zunächst am Porsangerfjord entlang, dann landeinwärts am Nationalpark Stabbursdalen vorbei zur finnischen Grenze.
Finnland: ein kurzes Kapitel in Lappland. Die Route durchquert nur einen kleinen Zipfel Finnisch-Lapplands, der größten und nördlichsten Region des Landes und legendären Heimat des Weihnachtsmanns. Sie folgt der Nationalroute 93 zwischen den Wildnisgebieten Tarvantovaara und Pöyrisjärvi und verläuft dann entlang der schwedischen Grenze durch Karesuvanto und Karesuando, eine einzige Gemeinde, die von Fluss und Staatsgrenze in zwei Hälften geteilt wird.
Schweden: von Lappland zum Öresund. Weiter im Süden erreicht die Route bei Luleå in Schwedisch-Lappland die Küste und folgt dem Bottnischen Meerbusen bis Sundsvall. Anschließend quert sie das Land von Ost nach West und trifft in Göteborg auf den Kattegattleden, Schwedens ersten nationalen Radfernweg, der dich direkt am Meer entlang bis Helsingborg und zur Fähre nach Dänemark bringt.
Dänemark: Schlösser, Kreidefelsen und Kopenhagen. Von Helsingør und Schloss Kronborg, der Festung aus Shakespeares Hamlet, führt die Route durch Kopenhagen, eine der großen Fahrradstädte der Welt. Weiter geht es an den Kreidefelsen von Stevns und Møn vorbei nach Marielyst, das zu Dänemarks schönsten Stränden zählt, bevor die Fähre von Gedser nach Deutschland übersetzt.
Deutschland: Seen, Flüsse und die Hauptstadt. Vom Ostseehafen Rostock folgt die Route dem Radfernweg Berlin–Kopenhagen nach Süden durch Mecklenburg-Vorpommern Richtung Mecklenburgische Seenplatte, mit kulturellen Zwischenstopps in Neustrelitz und Güstrow. Dann begleitet sie die Havel vorbei an Oranienburg und Fürstenberg/Havel durch die stillen Weiten Brandenburgs bis Berlin und schließt an den Elberadweg an, der über Dresden zur tschechischen Grenze führt.
Tschechien: Flusstäler und UNESCO-Städte. Das tschechische Kapitel folgt der Moldau, vorbei am malerischen UNESCO-Städtchen Český Krumlov, an České Budějovice (Budweis) und Schloss Hluboká bis nach Prag. Hinter der Hauptstadt führt der Moldau-Radweg weiter nach Mělník, wo Burgen und steile Weinberge über dem Zusammenfluss von Moldau und Elbe thronen. Der Elberadweg passiert anschließend Theresienstadt, ein ehemaliges nationalsozialistisches Konzentrationslager, das markante Durchbruchstal Porta Bohemica und die uralte Vulkanlandschaft des Böhmischen Mittelgebirges.
Österreich: Alpenflüsse und große Städte. Nach dem Grenzübertritt bei Rading arbeitet sich die Route über Oberösterreichs Regionalwege zur Donau vor, rollt durch Linz und die berühmte Schlögener Donauschlinge bis Passau, die Dreiflüssestadt. Dann folgt sie dem Inn entlang der bayerisch-österreichischen Grenze und durch das Europareservat Unterer Inn nach Salzburg, einer Stadt, deren Kulturangebot einen längeren Aufenthalt lohnt. Südlich von Salzburg führen Tauernradweg und Alpe-Adria-Radweg durch das Gasteinertal nach Bad Gastein oder Böckstein, wo dich ein Zug mühelos über den Alpenhauptkamm bringt. Von Mallnitz, dem Sitz des BIOS-Nationalparkzentrums des Nationalparks Hohe Tauern, rollt die Route überwiegend bergab zur Möllbrücke und dann an der Drau entlang über Lienz zur italienischen Grenze bei Innichen (San Candido).
Italien: Hier macht die Sonnenroute ihrem Namen alle Ehre. Ab Winnebach (Prato alla Drava) quert die Route das Pustertal und trifft auf den Eisacktal-Radweg; hinter Brixen wird das Radeln praktisch flach, mit Apfelplantagen auf der einen und dem glasklaren Eisack auf der anderen Seite. Weiter geht es am Gardasee vorbei und durch eine ganze Reihe der berühmtesten Städte Italiens, darunter Bologna, Florenz, Rom und Neapel, dann der Amalfiküste entlang nach Süden. In Kalabrien verbindet die Ciclovia dei Parchi sehenswerte Naturparks und kleine Dörfer, und die griechischen Meisterwerke in Reggio Calabria sind einen Stopp wert, bevor die Fähre über die Straße von Messina übersetzt. Der italienische Abschnitt endet in Pozzallo auf Sizilien, wo die Fähren nach Malta ablegen.
Malta: Finale im Mittelmeer. Der Archipel bietet zwei Radrunden, eine um die Hauptinsel Malta und eine um Gozo. Malta selbst ist ein Flickenteppich aus kleinen Städten und sanften Hügeln mit Terrassenfeldern, Gozo dagegen ist ländlicher und hügeliger, mit Naturschauplätzen wie dem Inland Sea, vielen Stränden und einigen der besten Tauch- und Wassersportreviere des Mittelmeers, falls du eine Pause vom Sattel brauchst.
Über neun Länder hinweg bietet die Sonnenroute eine außergewöhnliche Bandbreite an Natur- und Kulturdenkmälern. Diese stechen heraus:
Fähren und eine denkwürdige Zugfahrt gehören fest zu dieser Route, ein bisschen Fahrplanrecherche zahlt sich also aus.
Anreise. Der nördliche Startpunkt ist das Nordkap auf der Insel Magerøya in Nordnorwegen. Wer die Mitternachtssonne erleben will, plant die Ankunft zwischen Mitte Mai und Ende Juli.
Unterwegs. Mehrere Wasserüberquerungen verbinden die Kapitel der Route:
Unterwegs auf Malta. Eine Fähre verbindet die Inseln Malta und Gozo zwischen Ċirkewwa und Mġarr. Alternativ nimmst du in Valletta die Round-Malta-Fähre und erreichst Gozo über Comino, die drittgrößte Insel des Archipels.
Das große logistische Thema der Sonnenroute sind ihre Überfahrten. Prüfe die Fährfahrpläne im Voraus für die Verbindungen Helsingborg–Helsingør, Gedser–Rostock und Pozzallo–Valletta, und plane die Straße von Messina sowie die Inselfähren auf Malta mit ein. In den Alpen erspart dir der Zug durch die Tauern ab Bad Gastein oder Böckstein die härtesten Anstiege, was die Bergetappe für viele Radlerinnen und Radler machbar hält.
Bei der Navigation gilt: In Oberösterreich fehlt die EuroVelo-konforme Beschilderung, folge dort den regionalen Routennummern. Und lade dir vor dem Start in den hohen Norden am besten die GPS-Tracks für den norwegischen Abschnitt herunter.
Die Fahrt von der Mitternachtssonne bis ans Mittelmeer führt durch die ganze Bandbreite europäischer Landschaften und Kulturen, und der Aufbau der Route macht es leicht, sie in Abschnitten anzugehen. Städtefans bauen ihre Trips um Kopenhagen, Berlin, Prag, Salzburg, Florenz oder Rom, Naturfreunde kommen in Lapplands Wildnis, den Hohen Tauern und den kalabrischen Parks auf ihre Kosten. Für Salzburg lohnt sich extra Zeit im Reiseplan, und ein kurzer Abstecher in die Sächsisch-Böhmische Schweiz wird mit spektakulärer Felslandschaft belohnt.
Unterwegs verbindet dich die Sonnenroute außerdem mit einem Netz bekannter Radrouten, darunter der Kattegattleden in Schweden, der Radfernweg Berlin–Kopenhagen, der Elberadweg, der Alpe-Adria-Radweg und Italiens Ciclopista del Sole, jede für sich ein eigenes Abenteuer. Wo auch immer du einsteigst: Die Sonnenroute verspricht Kultur, Sonne und eine gute Portion Geschichte. Worauf wartest du noch?
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